Der „Wahnsinn“ hat System – Marathon du Mont Blanc (80-90 km)

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Startnummerausgabe tags zuvor

Start beim Marathon du Mont Blanc Nummer drei. Bereits zum zweiten Mal auf neuer Strecke, seit letztem Jahr geht es auf alternativer Route zum Emosson Stausee hinauf, habe ich vor Einbruch der Dunkelheit mein Ziel erreicht. Eine Medaille gab es freilich nicht und auch das Finisher-Geschenk wurde nicht kassiert. Was war „passiert“?

Bereits am Mittwoch Abend erfolgte die gepflegte Anreise. Anders klappt es nicht, da bereits am Donnerstag die Startnummern für das Rennen am Freitag abgeholt werden sollten. Eine Ausgabe vor Rennbeginn am Freitag um vier ist nicht vorgesehen. Verständlich.

Also wird der Rennvorstarttag ganz gechillt in Chamonix verbracht. Die Geschäfte besichtigt, nur das Nötigste gekauft und ansonsten aktiv Sportartikel gescannt und gespeichert. Man ist up to date in den ungezählten Sportgeschäften der quirligen Stadt am Fuße des Mont Blanc.

roadbook Veranstalter

Pünktlich erfolgte am Freitag morgen der Start. Ich hatte wie gewohnt (gefühlt) nicht geschlafen. Perfekt für einen erfolgreichen 24 Stunden Berglauf.

Morgens kurz vor vier in Chamonix – Plaza le Triangle

Die Vorbereitung war den Umständen entsprechend gelaufen. Durch andere Prioritäten in diesem Jahr, ein wenig Regeneration und trotzdem lange Läufe war die Laufbelastung im Vorfeld entsprechend. Sucht euch aus, wie 😉

Klar fehlen Höhenmeter im Training und die sind durch nichts zu ersetzen. Erst Anfang des Monats war das Höhenmeterprogramm für den UTMB gestartet. Da passten die 6200 meter im Aufstieg (plus 6200 im Downhill) perfekt hinein. Es würde, sollte und musste weh tun. Nur so ist ein Trainingseffekt zu erreichen.

Aufgeregt

Das roadbook, Höhenprofil und Laufzeiten des vergangenen Jahres waren am Dynafit-Rucksack (ich krieg da nix für 😉 ) befestigt und wir rannten erst mal los, wie die cityläufer. Lange Eingewöhnungsrunde, im letzten Jahr vom Veranstalter eingeführt, durch die Stadt Richtung „Les Praz“ und schließlich moderat hinauf zur Seilbahnstation , die dich bei Bedarf zu Kilometer 13, auch Plan Praz genannt, gondelt. Wir liefen natürlich dran vorbei und erreichten nach gut 2 Kilometern den Wald. Viel zu zügig war ich unterwegs. Aber es war angenehm fordernd und so beließ ich es bei der 5:xx min pace.

Erster Kontakt nach dem Waldstück

Schnell waren wir im Wald und auch ich schaltete endlich auf Teelicht. Während es in Deutschland um diese Uhrzeit bereits brötchenholhell ist, war es am Mont Blanc Raben Nacht. Im nun zu durchquerenden Dickicht, 1400 hm auf den ersten 11 km, wurde es enger. Erste Staus bildeten sich, als von sechs- auf einspurigen Trail umgeschaltetet werden durfte. Endlich. Anfangs breiter Forstweg, schön verwurzelt und mit Steinen drapiert, führte uns zielstrebig und auf gut markiertem Pfad nach oben. Als ich das erste Mal den Höhenmesser checkte, waren es gerade einmal +200 m (also 1350 m üNN). Das war nicht prall. Gefühlt war ich 1000 Höhenmeter gelaufen. Also easy going. Was natürlich schlangend unterwegs nicht wirklich funktionierte. Zu stark der Sog, der dich am Vordermann hält.

2016er stint

Irgendwo bei 1700 m wird die Baumgrenze erreicht und der Blick frei auf den Mont Blanc. Der Sonnenaufgang hinter dem weißen Massiv das erste Highlight des Morgens. Ehe es aber so weit sein durfte, hieß es Stockeinsatz und tapfer nach oben gedrückt. Wie erwartet, hatte sich meine uphill pace durch Nichttraining desselben auch nicht verbessert. Alles beim alten und somit kein Grund zur Sorge.

Immer weniger starrte ich auf den Höhenmesser. Die Baugrenze würde mir die nächste Ansage machen. Die Zeit verging, hatte man sich mental erst einmal mit der Tagesaufgabe angefreundet, recht zügig. Somit auch der Aufstieg. Es herrschte Ruhe im Feld. Alle schliefen noch. Selbst die sonst endlos schnatternden … (ich nenne mal keine Nationalitäten 😉 ) Lauffreunde waren verstummt. Klar, würde sich das ändern 😉 Ich wartete darauf allerdings gar nicht.

Hachmomente

Noch 200 hm bis zum Refuge Bellachat

Endlich war der Blick auf den blanken Berg frei. Erste Fotos wurden geknipst. Klar, musst Du. Dieser Anblick ist einzig nicht artig. Ehe ich weiter nachdenken konnte war auch bereits das Refuge Bellachat zu sehen. 200 hm trennten uns noch vom ersten Teilziel. Oben angekommen wanderte die Lampe vom Kopf in den Campingbeutel und die Nacht- wurde durch die Sonnenbrille ersetzt.

Kein Schnee hier oben, wie vom Veranstalter im Vorstartbriefing angekündigt. Herrlich. Ich war, trotz besseren Gefühls, nur ganze 5 Minuten schneller hier oben, als im letzten Jahr. Das über mir, wie ein Damoklesschwert kreisende Cutoffzeitüberschreitung von 4 Minuten letztes Jahr, war also im Sack 😉 Rennen gelaufen sozusagen. Jetzt nur noch locker durchjoggen und das Ziel ist erreicht. Waren ja nur noch 76k. Nach Messung des Veranstalters und die passt bekanntlich nicht. Nein, die Distanz ist nicht kürzer 😉

Besser gehts kaum

In luftiger Höhe

Schnell hatte ich mich nach dem Sachenumverteilen wieder in die Aufstiegsschlange eingereiht und nahm den Sturm auf den Brevent in Angriff. Kurz die Zeit vom letzten Jahr gecheckt. Das sollte schneller gehen, gab es heuter keine Schneefelder. Es wurde gepflegt gejoggt auf den passenden Passagen.
Recht schnell erreichten wir die Passhöhe, die und nicht nur den Brevent, sondern auch die aufgehende Sonne an der „Aiguille du Dru“ zeigte. Traumhaft. Ich war hin und weg. Schon für diesen Anblick hatte sich das frühe aufstehen gelohnt.

Erst mal tapfer hinauf

Weiter zum höchsten Punkt der Strecke auf knapp 2500 m ging es zügig. Ich vermutete mich im Mittelfeld, war aber dann doch eher im letzten Drittel unterwegs, wie ich nun weiß. Trotzdem waren wir eine homogene Laufzwangsgemeinschaft, die sich das oberhalb der Ichkannnochgutatmen-Grenze bewegte. Ich spüre am Anfang die Höhen ab 2000 m deutlich. Es sollte besser werden. Zumindest gab es erst einmal keinen Kopfschmerz. Auch die erste Flask war nach knapp 2:45 h, wir hatten die erste Zwischenzeitmarke erreicht, bereits gelehrt. Es war schwül, warm, bereits am morgen. Und es sollte noch besser werden. Temperaturen um die 30 Grad waren angekündigt. Im Tal zeigte das Thermometer dann schon mal die 40 Punkte. Nein, das ist nicht MdS Feeling, das ist sch..ßer. 😉

Auf 2200 Metern gehts langsamer voran

Das einzige Schneefeldlein außerhalb des Laufweges wurde oben am Brevent durchlaufen. Von wenigen nur. Mir gefiel der weiche Schnee und so war ich einer von Ihnen. Recht schnell waren die 500 hm (auf 2 km) zum Plan Praz erledigt und der erste VP im Sack. Zweite Zeitnahme. Ich war an die 12 Minuten im Plus zur Vorjahreszeit. Gut so. Zeit, die Getränke aufzufüllen, ein paar Orangenviertel auszuzutscheln und 2 Bananenstücklein zu essen. Auch die Schuhe erfuhren eine ersten Innenreinigung. Gamaschen wären eine (vielleicht auch übertriebene) Option gewesen.

VP1 - Planpraz

Blick vom Brevent zur Planpraz

Wir folgte den Downhill auf der kieselnden Zufahrststraße, im Winter die Skipiste. Immer weiter ging es hinunter, um anschließend nach La Flegere hinüber zu laufen. Nichts dickes. Recht angenehm zu laufen mit einigen traumhaften Abschnitten auf den offiziell ausgeschilderten Route zur Endstation der fliegenden Straßenbahn auf 1800 Metern. Ich hatte einen guten Rhythmus gefunden und war, kurz hinter der Seilbahnstation gelegen, am nächsten Messpunkt angekommen. Knapp 20 Kilometer werden hier oben gespeichert. Die große Wanduhr an der Station zeigte 08:05 Uhr an. Ich war 40 Minuten über cuttoff, einzige Zielstellung unter diesem Wert zu bleiben, bei den Messwartenden.

Wieder kurze Zwangspause. Die hintere Trinkflasche wurde in die vorderseitige Flask ungefüllt. Aus der anderen „Rückenflasche“ ein kräftigen Schluck genommen. Ich trank wie ein Loch. Nicht weiter dramatisch auf diesem Streckenabschnitt. Wir würden mehrere kleine Rinnsale und auch Flüsschen durchqueren, die für Nachschub in Frage kamen.

Wassern

Das Laufen wurde nun technischer. Auch der ein oder andere heftigere Kletteranstieg zwang zum braven hiking hinter all den anderen. Immer wieder Zeit und Gelegenheit, den Blick nach rechts und links schweifen zu lassen. Die Aussicht von hier oben, mittlerweile wieder über 2000 m hoch, einfach unbeschreiblich geil. Knips und nicht wieder einpacken das Fotografiergerät. Immer wieder eine anderer krasser Blickwinkel, wenn die Sonne durch eine andere Wolke auf die 3- und 4000-er uns gegenüber, das Mont Blanc Massiv bestrahlte.

Schnell war der höchste Punkte des nächsten Teilabschnitts, der Tete aux vent (2115m), erreicht. Es ging nun gut 800 hm auf teils schwierigstem Gelänge zunächst zum „Col des Montets“ und schließlich weiter zum VP „Buet“ hinunter. Stau und warten, dann wieder überholen. Hier war höchste Aufmerksamkeit gefragt, um sich nicht bereits zu Beginn des Rennens ins Aus zu katapultieren.

Col de Montets

Ich überstand des erste harten downhill verletzungsfrei. Nicht so meine „Mitstreiterin“. Mit bandagierten Fuß setzten wir den nächsten Abschnitt gemeinsam fort. Langsam joggend kamen wir in Le Buet an. Offiziell Kilometer 27 sagt der Veranstalter. An diesem Punkt hatten wir bereits 1 Stunden auf den Cutoff herausgeleaufen. Zur Vorjahreszeit waren es bereits 20 Minuten. Was und ob dies etwas wert sein sollte, würde sich zeigen.

Das große Auftanken

Höhenprofil Veranstalter

Ich füllte 3 Flaschen mit Wasser auf. Hatte bereits noch eine unterwegs befüllt. Meine Saug- und Schluckleistung hatte sich auf den vergangenen 17 Kilometern (meine Messung) auf satte 2 Liter erhöht. Alte Verwalter, wie sollte das denn weiter gehen, zeigte sich die Sonne erst an ihrem höchsten Punkt und versteckte sich nicht dauernd in den Wolken? Gesund war diese „Sauferei“ nun wirklich nicht. Da es mir nicht allein so ging, zerbrach ich mir nicht weiter den Kopf.

Nici verabschiedete sich bereits, die sie nach Ihrer Verletzung etwas umsichtiger und damit langsamer weiter wollte. Ja, wollte. Aber kann man das auch, wenn man auf sein Tempo geeicht ist.

La Cascade … 1 km und 100 hm nach Le Buet

Ich trödelte nicht zu lang und verließ 5 Minuten später den Bunkerpoint. Immer wieder traben, wenn es geht. Dennoch dauerte es bin zum Wendepunkt an der flussquerenden Brücke, bis sich das neu gebildete dynamische Duo wieder vereinte. Leider dauerte die gemeinsame Lauffreude nicht lange. Ich war langsamer im Uphill, was für mich keine Geheimnis ist.

Mann konnte sich gar nicht satt sehen

Also hieß es „solo“ den nächsten Berg zu nehmen. Es geht stetig und böse hinauf. Auf 1800 Metern wird die waldfreie Ebene erreicht. Man kann den vermeintlichen Checkpoint bereits sehen, muss sich nur noch die Wiese hinauf quälen und es war geschafft. Nicht so in diesem Jahr. Wir umrundeten die Wiese im weit möglichsten Bogen, eine Sch… ;-), um dann schlussendlich zum Refuge Loriaz aufzusteigen. 2020 Meter werden hier erreicht. Zumindest kommt man an einem Wasserbottich vorbei, wo sich bereits eine ungezählte Anzahl von Läufer versammelt hatten. Körperteile benässen und Trinkgefäße auffüllen hieß hier die Momentaufgabe. Ich tat gleiches. Sah meine „Mitläuferin“ zu letzten Mal, bereits in weiter Ferne.

Hinauf zum Refuge de Loriaz – Wasserstelle aus dem Bottich

Zu schnell für das kleine Nagetier. Die wichtigsten Details mit den engen Cutoffs hatten wir ausgetauscht. Ich wünschte ihr innerlich good luck. Bei mir luck te es gerade bad. Immer noch ein wenig angefressen von den (wenn auch dokumentierten) Streckenanpassungen. Der nachfolgende Downhill in Teilen vom Vorjahr bekannt war erst einmal wenig spannend. Nichts neues zu erwarten … Ich ließ es rollen, wie es rollte.

Tschau „Bella“

Pause … wir landen gerade … morgen geht’s weiter im Text …

Nun ist schön übermorgen, die Erinnerungen dennoch nicht getrübt. Zu tief steckt solch ein Brett in Dir, als das eine Nacht Schlaf das Vergessen beschleunigt. Downhills auf dieser Piste haben nichts mit pace machen zu tun. Obgleich man stetig am laufen ist, sind die Geschwindigkeitsvorteile zum Aufstieg marginal. Klar, kannst Du runter journet-ten, den Kilian machen. Damit erhöhst Du nicht nur das Verletzungsrisiko, zerstörst aber auch mit Sicherheit deine Oberschenkelmuskulatur auf elegante Art und Weise. Mein Handicap mit dem rechten Knie ließ mich doppelt vorsichtig agieren. Mittlerweile war ich an die 8 Stunden unterwegs.

Wasserbottiche heiß begehrt

Die kleine Streckenanpassung am Loriaz bescherte um 1,5 km mehr Laufspaß als im Vorjahr. Da schmilzt natürlich auch die Zeit auf den Dugehstjetztschonmalnachhausepoint. Es wurde also wieder die Zeit des Vorjahres erreicht. Da guckt der gemeine trailrunner erst mal recht dumm aus der Wäsche. 🙁

Ohne über die tiefere Konsequenz nachzudenken, da es eh nichts ändert, sockte ich die knapp 800 hm nach Le Molard hinunter. Da es sich ab einem bestimmten Zeitpunkt auch um eine neue Strecke handelte, war das mit der Vorjahreszeitentabelle nun ein wenig schwieriger. Ich lief, wie es mir noch Spaß bereitete. Obwohl der natürlich bei solch einem Lauf zeitweise abhanden kommt. Nicht abhanden kam die Sonne, die nun immer weniger hinter die wenigen Wolken passte. Der Nackenschutz am Mützchen keine schlechte Wahl.

Col der Terasse, leider nicht mehr ontrail

Auch der längste Downhill hat ein Ende und der war in Le Crot. Schnell noch ein wenig im von Läufern zugeparkten Wasserbottich genässelt und schon ging es hinüber zum nächsten Checkpoint. Auch ein kleines Partyzelt animierte zu selbiger. Ich griff mir den nächst besten Stuhl und entleerte mal wieder meine Schuhe. Bei der Gelegenheit wurden auch gleich die Socken getrocknet. Bei der enormen Strahlgraft von Klärchen eher Sache von wenigen Minütchen. Viel mehr Zeit durfte ich mir auch nicht nehmen. War doch meine +Zeitvorjahr zum Glück wieder auf 12 min angewachen (trotz Streckenverlängerung auch hier). Das schlimmste Stück des gesamten Trails stand in wenigen Kilometer auf der Tagesordnung. Optimistische Kilometerangaben bis zum nächsten Master-VP am Emosson wurden wohlwollend zu Kenntnis, aber nicht für bare Münze genommen.

Kopf runter und hoch, hoch, hoch … Kopf runter!

Zunächst ging es auf wunderschönenem Waldweg, dem „Chemin de la Cascade“ zur weggebenden Cascade (der Barberine) hinüber. Kurz vor dem Aussichtspunkt arbeiteten wir uns steil nach oben. Ab hier war es nur noch blanker Wille, der uns auf der Strecke hielt. Die Aussichten grande grandioso. Aber die nahm man eh nur anfangs war. Die Sonne strahlte überwiegt ohne Filter auf uns hinab. Windstille Passagen wurden sehr bewusst ignoriert. Nein, dieser Pfad ist nicht mein Freund. Da gefiel mir der Aufstieg zum Col de Terasse in 2015 wesentlich besser und der sich anschließende downhill sowieso.

Ich konnte es nicht ändern und arbeitet mich (ohne Stockunterstützung) auf dem Pfad nach oben. Nur wenige Läufer überholten mich (anfangs). Eher umgekehrt war es der Fall. Immer und  immer wieder nutzte ich die wenigen Schattenpassagen, um kurz nach Energie zu suchen. Der Höhenmesser kroch im Schneckentempo, obwohl wir meist die direkte Linie zum“Col du Passet“ nahmen. In jedes noch so kleine Rinnsal wurde die Mütze gedrückt. Kalter Kopf hilft, leider nicht gegen müde Beine.

Gleich geschafft, dieser Kackbarranco nimmt kein Ende, sorry

Eine Bahnstrecke … und eine kleine Zahnradbahn … und ein Liftomat

Irgendwann ist die letzte Kraft raus und du läufst einfach planlos durchs Gelände. Koordination geht irgendwie völlig verloren. Wildes Gestürze als kontrolliertes Laufen gewinnt die Oberhand. Und ich war unter Gleichgesinnten. Bis auf 23 min/km sackte meine pace zusammen,. Das war unterirdisch, aber nicht zu ändern. Irgendwann kommt die Bahnstrecke ins Visier. Den Staudamm siehst Du viel zu früh. Dieser Gigant weckt wirklich falsche Hoffnung über ein frühzeitiges ankommen.

Das Ende naht, das physische war schön überschritten

Drei- oder gar viermal musste ich pausieren, den Aufstieg für Augenblicke unterbrechen. Mich gar hinsetzen. Mann wird alt. Die letzten 100 hm durften dann verstärkt die Hände zur Unterstützung mitarbeiten. Alter Falter … endlich war ich oben und nicht nur ich ließ hier einen Gipfelschrei heraus. Fertsch, oben, weiter zur Staumauer, ohne große Pause, wie noch im letzten Jahr. Wir liefen heuer gleich auf der Straße zum Mauer hinüber. Den kurzen Abstecher ins freie Gelände sparten wir uns bei dieser Austragung. Die jahrelangen Bauarbeiten an der Staumauerkrone waren endlich abgeschlossen. Schön ist es geworden. Davon wird das laufen aber leider nicht einfacher. Im Wechsel aus Fotopause und laufen erreichte ich den Aufstieg zum Checkpoint. Großmaschige Gittertreppen bringen dich die 50 Höhenmeter fast senkrecht nach oben. Genau das richtige für den höhenfesten trailrunner 😉

Oben … YYYEEEESSSS !!!

Endlich war ich oben. Nur 10 Minuten schneller als im Jahr zuvor. Die Entscheidung war klar. Hier wird nicht mehr gebissen bis zur völligen Erschöpfung. Bei gleicher pace, wie im Vorjahr hatte ich also noch 6 Minuten bis cutoff. Da essen und trinken in diesem Backofen aber auch noch anstanden, war ich mental bereits auf das Ende am nächsten Checkpoint programmiert. Ich hatte gehofft, dass ich diese Entscheidung nicht treffen muss. Doch ich möchte das große ganze, das da #UTMB2017 heißt, nicht durch falschen Ehrgeiz gefährden. Traurig war ich nicht darüber, dass es in diesem Jahr wieder nicht reichen würde. Thats ist, wenn der trail stärker ist, als du. Mann muss es akzeptieren. Wem muss ich hier und heute was beweisen.?!

Mauerweglauf 😉

Ich genoss die wunderschöne Aussicht von hier oben. Neben dem Brevent ein wirkliches Highlight der Strecke. Hier muss man gewesen sein. Es ist atemberaubend und rechtfertigt die Strapazen im Aufstieg auf jeden Fall. Die Schuhe wurden noch einmal entleert, Getränkevorräte aufgefüllt und ein paar Bananenstücke wechselten den Aufenthaltsort. Um 14:57 Uhr machte ich mich auf den letzten Downhill für heute. Ich würde an die 75 Minuten brauchen, den anspruchsvollen trail hinunter zu kommen. Anfangs noch verwöhnen Steinplatten und Hänge mit losem Geröll trailrunners Körper. Hat man dann den Wald erreicht, gibt es die ein oder andere Seilversicherung, um nicht kopfüber ins Dickicht zu stürzen. Feinster Trail, der bei Regen zur Skipiste wird.

Meine Schuhe verloren hier auch noch ein Stück Sohle. Nicht schlimmes. Dennoch war ein abreißen des losen Stück und dessen Sicherstellung die bessere Idee. Immer wieder überholten mich wenige Läufer. Ob es ihnen nützte, wagte ich zu bezweifeln. Einige wiesen mich auf den nahen cutoff hin. Danke Freunde, aber mein innerer war bereits auf 1960 m Höhe an der Staumauer besiegelt.

Abenteuerliche Querung der Bahnstrecke

Keine Bahn, also laufen

Ich erreichte nach endlosem Gesocke, knapp 900 hm stürzt man sich vom Emosson bis nach Chatelard, erreichte ich Gietroz. Schnell den Wasserbottich am Wegesrand besucht und es ging weiter hinunter. Anfangs auf Asphalt, querten wir schließlich den Rand einer Viehweide, um schlussendlich einen anfangs schlammigen Pfad zu meinem heutigen Tagesziel hinunterzulaufen.

Klatschende Hände und respektvolle, aufmunternde Worte erwarteten mich in Chatelard. Ich riss trotz der Ansage, dass hier das Ende sein wird, die Arme hoch. Es war meine finish, meine Leistungsgrenze für diesen Tag. Nach

12:12 Stunden

hatte ich meinen „Mont Blanc 80“ heute nach 52 Kilometern beendet. War 52 km durch Gelände gelaufen, war 3,3 km hoch gestiegen und hatte mich 3,2 km wieder nach unten gestürzt. Schluss, Aus, Ende. Dritter Start, zweites Finish vor dem Zielbogen. Da sollte nun reichen für meine Liste der vorzeitigen Fertigwerdungen.

Der Rücktransport klappte in diesem Jahr reibungslos. Sofort brachten uns kleine Shuttlebusse nach Valorcine. Dort erhielten wir Freitickets, die uns dann den kosteneffizienten Rücktransport mit öffentlichen Verkehrsmittel (wir nahmen den Bus) nach Chamonix zurück brachten. Toller Tag, toller Lauf, unbeschreibliche Erlebnisse werden in ewiger Erinnerung bleiben.

Nun gilt es nach vorn zu schauen. Das Berglaufjahr hat das Wüstenlaufjahr abgelöst. In 9 Wochen startet der UTMB. Es gibt noch einiges zu tun. Vieles ist bereits erreicht. Tschüss Chamonix bis zu August, in neuer Stärke.

Weitblicke aus 1960 Metern Höhe

Wertesammlung

Da kannst Du war zurückgeben. Zum Beispiel eine Ecke.

 

 

 

Das Triple am Mont Blanc – Marathon du Mont Blanc 80 Kilometer

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Er fliegt (mal) wieder. Verdammt lang her, dass ich in den Lüften dieses Kontinents unterwegs war. Fast neun Wochen Abstinenz von den großen Trail. Es wurde Zeit und bringt mich auf andere Gedanken, als diese … sandigen. Es ist verdammt schwer, zur Normalität zurück zu kehren. Aber will Mann das überhaupt. Und was ist die Normalität? Nicht soo leicht zu beantworten.
Nach der wunderschönen Zeit vor, während und nach dem Sandmarathon gab es den ein oder anderen Lauf. Nichts großes, ganz langes, schmerzhaftes oder tiefschürfendes. Aber jeder für sich ein Erlebnis. Keine Frage.

Zuletzt mein dritter Marathon, glaube ich, in diesem Jahr. Jeden Monat eine gute (Lauf)tat, die in Erinnerung bleibt. Mann läuft doch in diesem Jahr recht wettkampforientiert, fällt auf 😉

Start Tollensesee Marathon 2017 im Kulturpark

Am vergangenen Samstag startete ich meinen zweiten Marathon um den Neubrandenburger Tollensesee. Ohne wirkliche Ambitionen. Sicher, der Masterplan sah einen ruhigen jog in 6-er pace vor. Alles lief auch recht planvoll, bis bei Kilometer 32, wir hatten Alt-Rehse verlassen, das rechte Knie wieder das Heidschnuckensyndrom bekam. Die Schrittlänge musste verkürzt und damit die pace reduziert werden. Zwischenzeitlich, so fünf Kilometer vor dem Ziel muss es gewesen sein, glaubte ich gar nicht mehr laufen zu können. Irgendeiner spinnt eben immer und der viele Asphalt scheint diesem Körperteil nicht gut zu tun. Schön, wenn man zur Korrektur vier Physio-Termine im Kalender hat.
Bis zu meiner driten Teilnahme am, um und unter dem Mont Blanc muss ich mir jedoch selber helfen. Mann wird sehen, wie es ausgeht. Achso, hatte ich ja fast den Faden verloren. Am Tollensesee ging es dann doch irgendwann wieder laufend weiter und mir ner 4:18 (Stunden) und 24 Stunden Erholungszeit (wusste die Fenix zu berichten) hat es ganz gut gepasst, den Umständen entsprechend.
Der Flieger nach Genf hat soeben pünktlich abgehoben. Der Shuttle nach Chamonix fährt um 21 Uhr aus Genf und damit sollte ich planmäßig in meiner liebsten Trailrunninglocation eintreffen. Wieder dauert das Trailfestival 3 ganze Tage und wird am Freitag morgen um vier mit dem 85-km-Ultratrail eröffnet. Bergkategorie 9 (nach ITRA) mit 6200 Höhenmetern erfordern kluges taktieren. Die neuen, verkürzten cutoff-Zeiten in der ersten Hälfte habe ich verinnerlicht. Sollte ein schmerzarmes Laufen möglich werden, sieht es gut aus für ein zweites finish innerhalb der geforderten Zeit. Der Kopf ist in jedem Fall auf ankommen programmiert. Möglichst ohne tunneling, um die grandiose Landschaft nicht zu verpassen. Es wird … grandios.
Am Samstag und Sonntag folgen das die kleineren Event mit 23 km und 42 Kilometern. Gerade bei letzterem ist doch eine gewisse Elitedichte vorhanden. Immer wieder toll, die „Geburtshelfer“ der trailrunnings life zu treffen. Ich freue mich sehr auf die „großen“ Namen, die das aber gar nicht so sehen.
Das Laufwetter verspricht ein phänomenales zu werden. Temperaturen Sahara-like werden uns jeden Wasserbottich erschnüffeln lassen. Der eingangs vergangener Woche prognostizierte Regen wird ausbleiben. Stattdessen haben wir uns auf 11 Stunden Sonne und Temperaturen bis 30 Grad im Schatten einzustellen. Ich werde berichten.

Zwei Tage Urlaub und ein Wochenende dazu bringen schon eine ganze Menge Erholung. Mit dem groß0en, weißen Mont Blanc vor der Tür potenziert sich dieses. Den ganzen Tag muss man dort hinauf schauen, Bilder machen, wieder gucken, wieder knipsen. Es ist immer das gleiche Spiel … Berg zieht an,magisch. Mich zumindest.

32. Horizontale „Rund um Jena“ oder Was treibt mich zum 8. Male in die Nacht der Nächte

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Anreise

Was motiviert einen, nach bereits 7 erfolgreichen Teilnahmen, das achte Mal (in Folge) an den Start der 100 km rund um Jena zu gehen? Seit meiner ersten (guckst Du hier) scheinen mich die Hügel rund um Jena magisch anzuziehen. Aber ist es das allein? Wird es mein 8. finish, 3 Wochen nach dem Heidschnuckenultra. Der Reihe nach.

Fuerteventura März 2017

Den Anfang bildet die Anmeldung am 01. März 00:00 Uhr. Damit es nicht vergessen wird, stellt man einen Termin ein. Möglichst auf einem Kalender, der immer funktioniert. Leider befand ich mich zum Zeitpunkt im Trainingslager für den Marathon des Sables auf Fuerteventura. Der Arbeitskalender mit all den tollen Alarmen deaktiviert. Also erst mal die Anmeldung verbremst. Ehe ich es mit bekam war es schon vorbei. Um 7:xx Uhr hatten sich 1000 Sportler für die 100 Kilometer angemeldet. Meldeliste geschlossen.

Fuerteventura März 2017

Das Nagetier saß in La Oliva und trank Kaffee. Nun gut, es gibt schlimmeres. Laufe ich eben nicht? Undenkbar. Irgendein Startplatz würde sich schon finden. Zur Vorsicht noch eine Mail an Sebastian, den Gesamtleiter, geschrieben und weiter getrainingslagert auf Fuerte. Das war ja schon mal perfekt vergeigt. Das Laufjahr war noch jung, die Aufgaben gewaltig, der Wagnisfaktor oder eher Wahnsinnsfaktor hoch angesetzt. Der Lauf durch die marokkanische Wüste stand auf der Agenda. Was danach kommen würde, wusste niemand. Vielleicht brauchte ich den Startplatz auch nicht 😉 (mehr).

Es war, wie es war. Endlich war der Anreisetag gekommen. Pünktlich erreichte ich den Startort am USV-Gelände in Jena. Nicht, ohne zuvor noch ein Getränkedepot in Maua einzurichten. Immer eine gute Idee, denn ob die VPs bereits geöffnet haben, wenn der laufende Teilnehmer diesen erreicht, weiß man nicht so genau. Eine Flasche Wasser und ein Lübzer-Grapefruit sollten mir den Samstagmorgen versüßen.

Start 18:00 Uhr

Schnell waren die Nachmeldeformalitäten erledigt. Nummer 1026 war die Wandernummer, die mir für schlappe 26€ + 5€ Nachmeldegebühr zugeteilt wurde. Ich sag nur. Uuuuunglaublich. Ich habe keine Ahnung, wie ihr das macht. Einige bekannte Gesichter wurden gesichtet. Kurzer, unbedeutender Smalltalk. Jeder ist dann doch irgendwie fixiert. Auch wenn nur gewandert wird. Die Läufer sowieso aufgezogen, wie die Duracell-Häschen. Ich hatte heute die Ruhe weg. Erst um 18:20 Uhr begann ich, mich für die Nacht fertig zu machen. Die Wanderer waren seit 18:00 Uhr auf der Strecke oder starteten noch.

Gegen 18:55 Uhr war ich dann fertig. Kurzer Anruf bei Corinna. Uhr eingeschaltet, GPS Signal gesucht (15 Sekunden braucht die Fenix-5 in unbekanntem Terrain) und dann hielt ich als vorletzter Starter pünktlich um 19:01 Uhr meine RFID an die Antenne. Es ging los. Endlich. 100 km machen mich nicht wirklich aufgeregt und diese Strecke, meine Hausstrecke der erfolgreichen Hunderter, schon gar nicht. Trotzdem war ich gespannt, wie es um meine Form steht. Das Berg- und Hügeltraining stand in diesem Jahr so gar nicht im Focus. Dafür kann ich jetzt Sand in allen Fassetten, in fast allen.

Zur Unterstützung hatte ich die Poles dabei. Die bewährten guten aus 2014, die mir schon über so manchen Berg geholfen haben. Das sollten sie auch heute tun. Es joggte sich gut. Den Salomon auf dem Rücken, UTMB erprobt, konnte nichts schief gehen. Die Lümpchen de Sable am Körper war auch hier für Sicherheit gesorgt. Lediglich das innere war die dritte Unbekannte.

Recht schnell erreichte ich das Penickental und lief sauber bis zum Fürstenbrunnen durch. Keine Schwäche am Hügel, keine Schmerzen an den bekannten Koordinaten. Es sollte noch ein paar Stunden dauern, bis ich in meinem Rhythmus war. Und das war gut so. Fix auf die Mittlere Horizontale gehiked. Fast 7 Kilometer dauerte es, bis die erste größe Schlange überholt werden musste. Zeit zu „pausieren“ und dem IPhone das schöne Wetter zu zeigen.

Bekannt von den Läufern vor mir, mittlerweile war ich der letzte (Platz 1009) platzten die Wanderer höflich. Keiner versperrte demonstrativ den Weg. Das „Dankeschön“ ging mir leicht und oft von den Lippen. Mann hat so seine Techniken, ohne zu sprechen auf sich aufmerksam zu machen. Es klappte perfekt. Einige Stellen zwingen zur Vernunft und ich reihte mich brav in die Heldenschlange ein. Respekt an alle Wanderer. Es ist der Hammer, was da geleistet wird. Und sieht man sich die Altersstatistik an, ist den Anteil der 20-30 jährigen recht hoch. Hier werden Ultraläufer geboren. Bei mir war es so. Nach meinem ersten 100-er (noch vor dem ersten Marathon) wusste ich, das es das für mich ist. Lange und langsam unterwegs zu sein. Es gibt nichts schöneres, als seine Mitte zu finden.

Immer wieder gab es leichte downhillpassagen. Meine pace, gefühlt, viel zu hoch. Aber das ist das Los des Überholens. Wenn Platz ist, musst Du das Intervall starten. Erstmal gehend ging es nach 14 Kilometern zum Steinkreuz hinauf. Der nachfolgende Downhill auf Asphalt dann Beine lockern im MRT. Bis zum Fuchsturm kannst Du jetzt locker joggen. Diesen erreichten wir in diesem Jahr nicht, sondern zweigten vorher auf „gelb/weiss“ ab und erreichten dann Teile der Saalehorizontale. Bis auf den Fuchsturm und seinen Downhill die schönere Passage. Diese, welche ich ich persönlich auch immer im Training laufe. Mann knallt endlos durch den Wald bis auf Meeresniveau also Ortsausgang Wenigenjena … Es war dunkel, finster im Wald und leichter Nieselregen setzte ein, der uns nach Aussage die nächsten 3 Stunden begleiten sollte. Mir wars gleich. Niesel ist kein Wolkenbruch. Dennoch musste ich noch vor dem ersten VP bei km 21 auf Regenplane switchen. Besser war es. Gefühlt hörte es danach auf. Oder ich merkte es kaum. Keine Ahnung, es war irgendwie nicht unangenehm.

Recht schnell war der VP erreicht. Ich aß nichts. Fasste einen Becher Tee und weiter gings zur Kunitzburg hinauf. Vielleicht durch den Regen, war ich noch nicht mal richtig eingelaufen und sollte schon wieder was essen. Zur Erfrischung nahm ich mir noch einen Apfel mit, dessem zerkleinerte Überreste ich Abwechselnd im Magen und auf der Straße verteilte. Den Rest in die Biotonne. So muss das.

An der „Deutschen Eiche“ in Wogau wurden dann die poles startklar gemacht. Der erste Anstieg stand bevor. Es regnete merklich. Die Kapuze erwies sich als nützlicher Wind- und Regenfang. Ich hik-te die 170 hm zum Hufeisen hinauf. Immer tapfer Step by step. Den ganzen langen Kilometer.

Ich hatte bereits vor Jahr mal den Test gemacht, ob wandern oder laufen schneller geht und hatte mich schlussendlich fürs wandern entschieden. Entspannt kommt Mann auch nicht oben an. Aber entspannter.

Bis auf ein paar Powerwalker lief ich auf Position. Endlich hatten wir das Hochplateau erreicht. Es hatte sich irgendwie eingeregnet. Die Schuhe quietschten bereits. Das kann eine blasige Nacht werden. Ich verdrängte den Gedanken wieder. Wasserdichte Socken, Handtuch und „Vaseline“ waren im Rucksack wasserdicht verstaut. Das Nagetier war vorbereitet. Irgendwie wird man doch irgendwann (bauern)schlau. 😉 Einige Unstimmigkeiten ob der unklaren Wegführung ließ ein wenig Panik bei den mich umgebenden Läufern erkennen. Zeit, die Stirnlampe aufzusetzen und heim zu leuchten. Das war er wieder, die „rot-Weiße“ Markierung des Rundweges. Wir trabten oder wanderten, je nach Gusto, in Richtung Kunitzburg. Zwischendurch erreichten wir mit knapp 400 m nahe des Geisberges den höchsten Punkt der Strecke (vermute ich nach meinem Aufzeichnungen). Die Kunitzburg mit Ihrem verkramten Umwesen war bereits erkennbar. Stau im Downhill zwang zum sinnigen Abstieg.

Das grow der Laufwanderer (Uphill wandern, downhill joggen) wurde passiert. Nur zwei blieben tapfer vor mir. Überholen unmöglich. Dann eben easygoing. Ich ging die ganze Zeit am Stock. Auch im downhill sind die poles meine besten Begleiter. Bis zu dieser Stunde. Ein kurzer Knacks auf gerader Strecke. Nicht einmal belastet war das Stäbchen. Dann waren es plötzlich zwei an der linken Seite. Stockbruch nach 25 Kilometern. Das war böse. Und für einen Stockfetischisten, wie mich, erst mal ein Schock. Kurzes Check, ob noch was zu reparieren war. Hätte, hätte Fahrradkette. Ich hatte meinen 42 teiligen Nusskasten und die Motorflex vergessen. Sooonst … 😉

Es musste ohne weiter gehen. Ich baute noch ein wenig um, da vom heilen Stock die Schlaufen defekt waren. Schließlich, ich hatte Kunitz erreicht, übereignete ich die kläglichen Reste meines tapferen Begleiters dem Mülleimer der Bushaltestelle Kunitz. Pilgerreisen werden einsetzen. Spaß beiseite. Ich war erst einmal ein wenig aus dem Konzept. Doch ein Stock … wie willst Du da die Doppelstocktechnik im uphill einsetzen. Alles irgendwie doof. Dennoch behielt ich den verbliebenen Picker erst mal bei mir. Mann hängt ja an seinem Kram 🙂

Kannst wieder rüber gehen, bin vorbei. Danke 😉

Schnell hatte ich die lange Asphaltstraße nach Zwätzen hinter mich gelassen. Der 30. Kilometer war gespeichert und ein Tütchen Gummibärchen verschwand in meinem Körper. Meine beiden Flasks, 1 Liter hatte ich dabei, waren nahezu unberührt. Im Dunkeln trinkt sichs schlecht? Mich durstete nicht. Die Sonne bereits auf den anderen Seite dieser Erdkugel war nur die nächsten Stunden romantischer Lauf im Kerzenschein angesagt. Oder sowas in der Art.

Der Aufstieg durch Rosental immer wieder ein Erlebnis. Bei Regen sowieso. Einige Wanderer gönnten sich hier die Abkürzung. Ob bewusst oder nicht. Mein Pfeifen kann man hören. Ohne Stöcke war es mühselig nach oben zu kommen und ich war langsam. Daran musste ich mich gewöhnen, nun. Ich dachte auch nicht tiefgründiger drüber nach. Der nun folgende Streckenabschnitt bis zur Papiermühle in meinen Augen eh der schwierigste der ganzen Strecke. Immer wieder ups und downs. Dafür verzogen sich die Wolken, es war sternenklar und der Vollmond gab alles. Traumhaft. Immer wieder konnten wir Jemna bei Nacht bestaunen. Das macht sie aus, die Horizontale bei Nacht. Dieser einzigartige Blick auf die kleinen Stadt im Tal. Von allen Seiten kannst Du sie bestaunen.

Bevor man aber in Gedanken versank galt es, wieder auf den Weg zu achten. Schmale Singletrails, teils mit Gras und Gebüsch bewachsen erfordern alle Konzentration. Zudem war alles sack nass. Was den Gripp nicht unbedingt verbesserte. Dennoch war ich mit den Hokas (Challenger ATR3) sehr zufrieden. Sollte ich meine UTMB-Schuhwahl noch mal über den Haufen werfen? Ich muss darüber nachdenken. Nicht aber jetzt. Es galt, ein Rennen zu Ende zu bringen. War ja auch fast geschafft. Kilometer 35 wurde im Rauetal erreicht, als ich die 3 „racing the planet“ Läufer hinter mir ließ. Anfang dachte ich, ich könnte mich dem train anschließen. Entschied mich aber schlussendlich für die bewährte Solobegehung, wie fast immer auf den klangen Kanten.

Somit konnte ich ohne Skrupel mit dem Wald sprechen, die Steine anschreien und meiner Lauffreude lautstark Ausdruck verleihen. Keines der drei Motivationshilfen hatte ich bisher gebraucht. Es lief mehr recht als schlecht. Im Aufstieg war ich wirklich langsam ohne meine Helferlein.

Nur zum Verständnis. Ich bin auch nicht der Superuphiller. Doch wenn Du den stocklosen Aufstieg nicht trainierst, dann kannst Du auch einen Blumentopf gewinnen. Ich gewann keinen und musste damit leben und tat das auch recht optimistisch.

Endlich kam der Landgraf in Sicht. Ist der erst mal erreicht, ist das gröbste geschafft. Ich atmete auf. Ein wenig flog mir die Zeit um die Ohren. Aber es war nicht dramatisch. Der Landgraf wurde passiert, zwei Läufer passierten mich. Der Downhill am Sonnenberg zur Papiermühle hinunter eine einzige Freude. Wieder einmal wurde gaanz nach unten gelaufen, als wir die Erfurter Straße passierten. 5:20 Stunden sollte ich für den guten ersten Marathon brauchen. Immer noch gut in der Zeit. Hatte ich doch die 14 Stunden im Visier, die ich vorher verkündet, hoffte erreichen zu können.

Hinunter nach Maua

Am VP, dem letzten vermuteten, musste ich beide Flasks auffüllen. Ich hatte gesüffelt, wie ein Loch. Hochkraxeln macht durstig. Der Regen hatte sich verflüchtigt. Dennoch behielt ich die Regenjacke an. Der sichtbare Atem verriet. Kein Wetter für das kurze Oberteil. Die nackten Knie sollten reichen.

Gespräche über Durchgangszeiten anderer Läufer. Ungefähr 35 Läufer sollten vor mir sein? Wie jetzt? Gab es diese Woche Jagdwurst in Thüringen? Konnte nicht sein, oder?. Ich brauchte einen Plan. Top 10 war ja sowieso das Ziel. Also mussten noch an die 20 Läufer eingesammelt werden. Der Rest waren sicher Frühstarter, die eh bereits 1 Stunden länger als ich unterwegs waren (Startzeit 18 Uhr). Die alte Lok hatte seine Wasserdepot aufgetankt. Und auch ein paar Äpfel gegessen, gehend in Richtung Schottplatz. Mein nächstes Mentalziel. Dort oben wird der 50. Kilometer gespeichert, ungefähr. Halbzeit also und dann kommt der lange Endspurt. Nach hinten raus lege ich ja immer eine Schippe drauf. So hatte ich es auch heute im Kopf. Ob es klappt, weißt Du nach 10 Stunden. Bis dahin war es noch eine Weile und ich brauchte für die schlappen Uphills einen Plan.

Immer wieder konnte ich mich von meinen „Verfolgern“ absetzen, die mich aber im Aufstieg fast wieder in die Fersen leuchteten. Es war ein Jammer. Kein Plan. Wie wollte ich die 15 Läufer  erreichen, wenn ich nicht mal mit den zweien zurecht kam? Ich musste auch aufwärts schneller werden. Das ging nur mit laufen. Langsam musste ich mich an den Gedanken gewöhnen, alles was höher als eine Fußbank war zu laufen. Endlich am Schottplatz. Schnell geht es hinüber zum Heckelstein und hinunter zur Ammerbacher Platte. Das schönste Stück downhill, wenn mann losen Kalkstein und verkalkte Spurrinnen mag. Ich kannte den Kram und so konnte mich auch das nicht aus dem Rhythmus bringen. Ammerbach sieht man schon von weitem, ohne ihm wirklich näher zu kommen. Es wird durch Wochenendsiedlungen gelaufen, um schließlich final in den Ort zu kommen.

Ich gönnte mir seit Stunde 3 alle 90 Minuten 2 Salztabletten. Irgendwann musste das mit dieser Verkrampfung doch mal aufhören. Nichts schlimmes, aber nervig. Und es half auf Dauer gesehen. Das das Päckchen bereits durch die Wüste gelaufen war, half natürlich doppelt. Mann braucht so seine Mantras in einsamer, dunkler Nacht. Die Kirchenuhr in Ammerbach schlug zweimal, als ich den Ort durchquerte. Die Laufstrecke war hier meine Westentasche. Der Laufweg folgte nun dem Fuß des Lämmerberges. Während meines Trainings war ich im letzten Jahr dort oben gewesen. Herrlicher Ausblick und die Downhills legendär.

Heute ging es gepflegter zu. Ein paar Stündlein waren wir unterwegs und es sollte noch ein paar dauern. Zum Glück, denn die großen Tiefs wurden noch erwartet. Bis auf die Phase mit dem Stockverlust lief es bisher ganz gut. Nicht einmal in den des-sables-Tunnel musste ich kriechen. Ich genoss den Lauf, ersann neue Wege, schneller zu werden und hatte Erfolg damit. Die Lämpchen hinter mir entfernten sich. Final würde ich den Abstand beim Aufstieg zum Funkturm Cospoth vergrößern. Ich würde die ganze Schotterpiste hochrennen. Das sollte dann reichen.

Prüfen der Restakkuzeit

Uns ich rannte die Schotterpiste hoch. Schneller, als erwartet, war der Turm Cospoth erreicht und neuen Aufgaben funzelten vor mir durch die Nacht. Am Turm werden 399 m geszählt. Wir liefen etwas unterhalb vorbei. Mann kennt seine Pappenheimer. 😉 Die Speedwanderer waren nun im Vorteil. Es downhillte nur fast komplett bis Leutra. Lediglich im laaanggezogenen Aufstieg zur Buchaer Mühle war eine Chance für mich. Diese musste ich nutzen. Vom Cospother Funkturm geht es zunächst 500 m durchs nasse Gras. Hatten die Füße sich halbwegs wieder erholt, hier gab es die nächste Ölung. Ich spürte keinerlei Blasen oder sonstige Druckstellen. Ein bissl Dreck oder feine Kiesel unter der Fußsohlen … neine, sie würden an die richtigen Stellen rutschen. Und sie rutschten, manchmal. Öfter wieder zurück 😉 Ich hoffte, dass es keine Auswirkungen hatte.

Mein Plan ging auf. Auf der Wiese zum Insektenhotel kamen die nächsten Läufer vor mir in Sicht. Am ersten Anstieg waren 5 Positionen gut gemacht, die es zu halten galt. Ich fühlte mich wirklich gut, hatte den perfekten Laufrhythmus gefunden. Kilometer 60 wurde dann irgendwo vor dem großen Downhill nach Pösen erreicht. Wieder ein Läufer vor mir. Es lief nun einiges ganz gut. Eine Cola am Wegesrand war sicher für mich. Ich gönnte mir einen Schluck. Danke dem edlen Spender. Wenn man in Pösen ist, ist der Rest nur noch ein Klacks. Nicht mal mehr ein Marathon und der Sonnenaufgang stand kurz bevor. Ich hatte mental überhaupt kein Thema, den ganzen Lauf über nicht. Warum war das so? Bereits beim „Heidschnuckenultra“ ging es mir trotz kaputter Knie recht gut, mental gesehen. War es die Wüste, die alles danach klein erscheinen lässt? Ich weiß es nicht mit Bestimmtheit.

In der Neuzeit läuft man von Pösen nicht mehr an der Autobahn entlang. Seit Fertigstellung des Jagdbergtunnels hört man hier die Blätter vom Baum fallen. Ein kleines Paradies. Sehr oft haben mich meine Trainingsläufe im vergangenen Jahr durch das neue Kleinod geführt. Traumhaft. In der Nacht noch stiller, als am Tage. Ich erreichte den VP am Wanderheim Leutra. Dort. wo früher die Autobahnbrücke war, erinnert nichts mehr an die rasante Zeit.

Der VP war vorfristigst besetzt. Ich konnte mein Wasserdepot auffüllen. Kurz zuvor hatte ich ein Beutelchen „Tropi Frutti“ und eine Minisalami vernascht. Satt und gut gerüstet ging es auf die letzten knapp 35 Kilometer bis zum Ziel. Der VP mit 5 Läufern gut besucht. Ich hatte keine Veranlassung, lange hier zu verweilen. Das Bier am Eigen-VP verlieh magische Kräfte. Es ging immer abwärts, wegetechnisch gesehen. Körperlich und psychisch gab es keine Schwächen. Ich war langsam aber kontinuierlich laufend unterwegs. Alles nach Plan. Das machte schon ein wenig unruhig. Soganz ohne Probleme … auch nicht gut … Mann ist beunruhigt. Immer wieder mal 2 Salztabletten vor dem nächsten Schluck Wasser und auch die Verkrampfung im Hüftbeuger verschwand. Na, geht doch.

Endlich war Leutra erreicht. Ein Kurzer Aufstieg zum Wald, schon wieder gab es Gummibärchen, eine halbe Tüte nur. Wahrscheinlich wollte ich dem Bier eine Grundlage schaffen 😉 Im Wald angekommen waren sie wieder da, diese Haluzinationen. Taten mir anfangs die Augen weh, wobei keine Müdigkeit auf kam, waren es später lustige Gesellen, die mir begegneten. An der Lüfterstation vom Jagdbergtunnel sah ich einen Läufer mit Turban und ganz schwacher Lampe. Als ich näher kam, war es ein Strauch. Am Insektenhotel einen mit Weihnachtsbaumkugeln geschmückten Baum. Leider war auch das nicht real. Und hier oben, auf dem Weg nach Maua gabs ein paar lustige Tiere. Schluss jetzt …

Als ich den Wald verließ nahm ich endlich meine Stirnlampe vom Kopf. Lobeda war in Wolken getaucht.  Nur Jagd- und Mönchberg ragten aus den Wolken. Am Horizont hatte die aufgehende Sonne bereits ein gelbrotes Band angeknöpert. Das musste ich dem IPhone zeigen. Ich gönnte mir diese Fotopause. Knips in alle Richtungen. Der Blick in den Rückspiegel auf den Helenenberg (mit Megadownhill, heute leider nicht) zeigte noch einmal den vollen Mond. Traumhaft. Sollte ich Schwäche in mir haben, bei diesem Anblick verschwindet sie. Und es ging wieder durch nasses Gras. So wurde die Haut frisch gehalten. Blasen und Druckstellen gab es immer noch nicht. „Vaseline“ und Zehensocken waren offensichtlich einen gute Mischung.

Ich erreichte es Ortsrand von Maua und damit mein Getränkedepot. Als erstes das Bier geköpft. Eiskalt und und … es schmeckte scheußlich. Was war los.? Noch ein Schluck? Immer noch war es nicht das Geschmackserlebnis, was ich mir erhofft hatte. Aber ein gutes Mentalziel war es in jedem Fall 😉 Ich drückte den Kronkorken wieder drauf und hinterließ es am Bordstein. Prost den Nachfolgern. Ich hoffe, es wurde leer getrunken.

Oberhalb von Leutra mit Blick auf den Jagdberg

Auch die Wasserflasche musste nur wenig Flüssigkeit preisgeben. Hatte ich ja bereits 7 km zuvor alle Depots wieder befüllt. Auch hier hoffte ich auf die Nützlichkeit für meine Sportkollegen in der Nachhut. Recht schnell hat man auf dem Asphalt den kleinen Ort durchquert. Die Schranke heute offen. Flott noch die Saale überquert und es geht hinein in die Rabenschüssel. Auch ein motivierender Wegweiser befindet sich hier. „Lobdeburg 18 Kilometer“. Das konnte nicht sein. Waren es von dort noch einmal 11 km bis ins Ziel. Ich schenkte diesem „falschen“ Wegweiser keine tiefgründige Beachtung. Es ging nun den vorletzten „Anstieg“ hinauf. Immer schön ganz nach oben steigen, sonst endet irgendwann der Weg unterhalb der Felsen 😉 Ich stieg nach oben und folgte der bekannten Strecke. Auch dieser Singletrail, vom feinsten, schön verwachsen. Vieles laufbar. Die Feuchtigkeit auf dem Weg mahnt allerdings zur Vorsicht.

Sehr schnell ist der Hochsitz (beliebte Verlaufstelle) erreicht, an dessen linker Seite es heute weglos übers abgemähte Feld geht. Wenige Fußspuren verraten den rechten Weg. Oder doch nicht? Ich war verunsichert. Ich kehre um. Ist das der richtige Weg oder geht es ins Dickicht? Ich muss das checken, laufe die 100 m zurück. Scanne das Buschwerk. Nein, es gibt keinen Weg. Fix die Karte auf der Fenix aktiviert. (Das ich da mal drauf gekommen bin?!!!) 😉 Der Kartenmaßstab wurde fix auf 120 m gestellt und da war er, der rechte Weg. Ja, dieser weglose Feldtrail ist der Weg. Ich folge der schmalen Linie auf der Uhr. Immer am Gebüsch entlang. Die Weitsicht durch den Morgennebel getrübt. Ich bin richtig. Irgendwann aber muss ich in den Wald. Der Boden vom Regen gut durchweicht. Das Profil der Hokas leistet Schwerstarbeit … Erfolgreich. Dort, niedergetretenes Gras lässt einen Weg zum Wald hinüber erahnen. Ich übersteige diesen Weidezaun. Endlich wieder die Schuhe säubern im nassen, kniehohen Gras. Morgentau oder Nebel gibt ihm diesen unvergessliche Betauung.

Helenenbergsicht

Schnell ist der Trail durch den Wald zu Ende. Eine Kuhtränke mit angeschlossenem Weidezaun leitet den Weg zur Straße nach Schiebelau hinauf. Ich laufe, es bereitet mir keine Mühe. Ich habe den Kopf frei. Es ist nicht mehr weit bis nach Zöllnitz. Hier, wo im nächsten Jahr, wenn die Runde wieder im Uhrzeigersinn verläuft, VP-1 sein wird. Zuvor aber noch ein wunderschöner Trail durch den Wald, immer weiter Höhe verlierend erreiche ich schließlich auf einem kleinen Bitumensträßchen Zöllnitz. Die Kirchturmuhr zeigt. 5:30 Uhr. Ich bin jetzt Zehneinhalb Stunden unterwegs. Ich schätze, noch drei Stunden. Das wäre dann 13:30 Stunden Laufzeit. Perfekt und locker unter Plan A. Momentan passt alles. Schnell noch meine Position kommuniziert. Die Community schläft eh. Aber Information ist immer gut 😉 Wieder gibt es ein wenig Salz und ein Getränk. Gummibärchen werden gespart. Ich brauche momentan keine neue Energie. Ich bin die Energie … Alles läuft nach Plan.

Recht schnell ist der Ort durchquert, am Wasserwerk vorbei erreicht man die A4- Unterquerung. Kurz danach dann der Verpflegungspunkt der Bundeswehr. Nun ist man fast da. Noch zwei Stündlein plus X, je nach Restleistungsvermögen. Ich gönne mir eine Pause. Ein nettes Mädel, sichtlich um Kommunikation bemüht, füllt mir meine Flasche. Meine Antworte eher bündig als kurz. Mir ist nicht nach reden. Sorry, bin nicht so der Labersack. Bin aus dem Norden 😉 Das sitzen tut mal gut. Nur nicht zu lange. Die Muskulatur soll sich nicht an die neue Lage gewöhnen. 1-2 Minuten gönne ich mir vor dem Zielsprint. Der Kaffee ist megalecker. Zwei Esslöffel Zucker auf die Tasse wirken Wunder. Ich bedanke mich, wie üblich und folge dem Weg in den Wald. Es geht gut voran. Das nasse Gras ist zu klein, um meine Schuhe zu durchfeuchten. Der Weg mit seinen Pfützen schafft das spielend. Immer wieder muss ich seitliche Umgehungen der kleinen Seen nehmen, die sich über Nacht gebildet haben.

Zöllnitz

Schließlich erreiche ich den finalen Anstieg nach Imnitz. Etwas verändert die Strecke in der Neuzeit. Anstrengender, wie ich finde, windet man sich steil ansteigend zum Ort hinauf und durchquert diesen auf vorbildlich (Sprühpfele an allen Abzweigungen) markiertem Weg. An seinem Ortsrand steigt man extrem zur alten Route hinauf. Oh, das war anstrengend. Zu kurz aber, um wirklich weh zu tun. Aber ich lasse mir heute eh nicht weh tun. Habe ein angenehmes, kraftsparendes Tempo drauf. Überholen noch ein zwei Läufer auf dem Weg zur Sommerlinde. Der letzte große Aufstieg ist geschafft. Ich verzichte 13 km vor dem Ziel auf die Verpflegung, hole mir nur meinen Zeitstempel ab, der etwa 100 m unterhalb des VPs auf mich wartet. Schnell wende ich und ab geht nach Lobdeburgien. Lediglich die Regenjacke verpacke ich unterwegs zur Burg. Ein Redbull fällt aus dem Rucksack und wird spritzend entkorkt. Welche Wohltat am Morgen und der Energieboost, den ich jetzt brauche. Kurz/ kurz durch den Morgen. Herrlich. Keine zwei Kilometer später, wieder einen Läufer „kassierend“, renne ich erst einmal am Aufstieg vorbei. Orientierungslos oder einfach mal im falschen Tunnel quäle ich mich den nachfolgenden Hügel hinauf. Das tut weh. Ich spüre die letzten 11:30 Stunden in den Beinen.

Traumtrails

Endlich oben angekommen sind es nur noch 6 Kilometer bis zum Fürstenbrunnen. Auf wunderschönem Trail, der mich nicht immer rennen lässt, folge ich der mittleren Horizontale. Die Sicht ist gleich Null. Immer noch hängt der Morgennebel im Tal. Ich laufe darüber, durch ihn hindurch, mit ihm gemeinsam. Autsch. Das war eine Wurzel, die mir den nächsten blauen Zeigezeh beschert.  Nummer 5 im bunten Reigen ganz unten 😉 Noch hunderte Meter später spüre ich den Schmerz. Er verschwindet, im Taumel des nahen Zieleinlaufs,

Aufstieg zum Lobdeburg-Aussichts-Rastplatz – pffff.

Kurz vor dem Fürstenbrunnen treffe ich noch Holger (Organisator vom Fishermanstrail) auf seiner ersten Horizonale und Roberto (Finisher TDS in „meinem“ TDS Jahr). Beide erfahrene Trailrunner. Ich fliege vorbei. Am Fürstenbrunnen wird einen Gang hoch geschalten. Immer. Da wird der Lachgasbehälter eingehängt. Der Zielspurt beginnt. Egal, welche Distanz, zum Ende wird es immer eng. Meine Ziel, eine Zeit unter 13:30 Uhr zu laufen verlangt Kniehub und Fußabdruck. Im 5 min Tempo geht nach Wogau hinunter. Das tut weh, ich verdränge diese Gedanken. Es macht Spaß, sage ich ihm und dann … wird es in wenigen Minuten schon wieder vorbei sein. Hundert Kilometer sind eben eine schnelle Nummer ohne die fetten Aufstiege. Die Beine melden Anstrengung zurück. Seid ruhig, jetzt ist noch keine Jammerzeit. Die letzten 2 Kilometer gehts wieder easy going. Wogau wurde passiert. Die Fernstraße ins Jenaer Stadtgebiet verläuft nun parallel zu unserem Laufweg. Hörbar nur, aber präsent. Ich kenne die Distanzen. Noch 1 Kilometer bis zum Ziel 13:19 Stunden zeigt die Fenix. Es wird „reichen“. Ich nehme Tempo raus. Bin mittlerweile wieder beim entspannten 6 min Schlappschritt. Ich sehe die „Sozialakademie“. Noch knapp 500 m von dort. Alles passt. 13:23 Stunden am Parkplatz. Ich kann den Stadion bereits riechen. Es wird passen. Runnersheigh passiert vor dem Ziel. Nur kurz, aber intensiv. Dann biege ich schon ein ins Stadion. Sehe das Ziel. Lockerer entspannter Schritt. Grade machen. Gepflegter Zieleinlauf ist wichtig, ist Kult.

Toller Lauf. Kaum Tiefs. Manchmal lief ich neben mir und habe mich beobachtet. Es sah gut aus, habe ich mir gesagt und es hat geholfen. Endspurt ab Kilometer 54. Eine wieder mal mega krasse Horizontale ging nach

13:27 Stunden

zu Ende. Danke an alle Helfer und Offizielle. Immer wieder ein Fest und immer wieder gern. Alles für die Naddel. Horizontale Nummer 8 finished. Bis nächstes Jahr am 01. Juni 19 Uhr USV-Sportgelände … Eine Nacht rund um Jena. Ich bin dabei. Was sonst macht man Freitags Abends im Juni.

 

Impressionen am Morgen